Nuklearmedizinische Gelenktherapie - Radiosynoviorthese, RSO Untersuchungs-Information:

Nuklearmedizinische Gelenktherapie - Radiosynoviorthese, RSOZur Therapie schmerzhafter Gelenkveränderungen (z.B. bei Arthrose oder Rheuma) wird von uns die sog. Radiosynoviorthese (RSO) durchgeführt, bei tumorbedingten Knochenabsiedelungen eine nuklearmedizinische Schmerztherapie. Diese Therapien sind nur sehr wenig belastend und können in nahezu jedem Lebensalter durchgeführt werden.

Diese Information soll Ihnen einen Überblick geben über eine eventuell notwendige Voruntersuchung und über die Behandlung.

Zur Überprüfung der Indikation und zur Planung der Radiosynoviorthese ist eine Voruntersuchung erforderlich. Sollte diese bereits auswärts durchgeführt worden sein, bringen Sie die Ergebnisse bitte zur ersten Besprechung mit. Für die Planung einer Radiosynoviorthese ist eine der unten stehenden diagnostischen Maßnahmen unverzichtbar, da damit die Gelenksentzündung nachgewiesen wird. Da kein Patient mit dem anderen vergleichbar ist, wird das Untersuchungsprogramm jeweils den individuellen Bedürfnissen angepasst.

In der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des betroffenen Gelenkes wird der Gelenkerguss quantifiziert bzw. die krankhafte Anschwellung der Gelenkschleimhaut und Gelenksaussackungen nachgewiesen.

Eine Kernspintomographie bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) wird durchgeführt, um die Entzündung im Gelenk und die Knochenbeteiligung wie auch die krankhafte Anschwellung der Gelenksschleimhaut feststellen zu können.

Mit der Gelenkszintigraphie (nuklearmedizinische Untersuchung) kann die Entzündung der Gelenkschleimhaut, die Knochen-Beteiligung und die Beteiligung anderer Gelenke festgestellt werden.

Wir werden in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen die Befunde erörtern und die nuklearmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten besprechen. Wir bitten Sie - soweit Sie darüber verfügen - Röntgenaufnahmen und frühere Krankheitsberichte zur Einsicht vorzulegen.

Radiosynoviorthese bedeutet: Wiederherstellung/Erneuerung (Orthese) der Gelenkschleimhaut (Synovialis) mit Hilfe von radioaktiven Isotopen. Sie ist eine sehr wirksame Methode, die bei schmerzhaften entzündlichen Gelenkerkrankungen schon seit Jahrzehnten eingesetzt wird.

Schwerpunkt der behandelten Krankheiten ist die chronische Polyarthritis (entzündlicher Gelenkrheumatismus). Rheuma ist eine systemische, also den ganzen Körper betreffende Erkrankung. Synovialitis ist eine Entzündung der Gelenkschleimhaut (Synovialis). Die Gelenkschleimhaut wuchert hierbei oft grotesk, zerstört dabei den Knorpel, dringt in den Knochen ein, schädigt Bänder und Sehnen und kann zu schweren Gelenkentzündungen führen. Zur medikamentösen Behandlung werden mehr oder weniger giftige Substanzen eingesetzt, die sämtlich Nebenwirkungen haben können. Meist bleibt jedoch nichts anderes übrig, als so dem zerstörerischen Prozeß etwas Einhalt zu gebieten. Oft sind auch operative Eingriffe erforderlich. Sind ein oder wenige Gelenke besonders intensiv betroffen, empfiehlt es sich, die Radiosynoviorthese frühzeitig einzusetzen, möglichst schon bevor Gelenkzerstörungen eingetreten sind.

In ein erkranktes Gelenk wird mit Hilfe einer einfachen Punktion ein radioaktiver Stoff gespritzt. Bei den drei möglichen Stoffen handelt es sich um sog. Betastrahler. Diese Strahler haben eine sehr kurze Reichweite von 0,5 bis ca. 4 Millimeter, sind auf dieser Strecke aber zellzerstörend. Die (physikalische) Halbwertzeit ist kurz, für Yttrium-90 2,7 Tage, für Rhenium-186 3,7 Tage und für Erbium-169 9,4 Tage.
Nach der Injektion in das Gelenk kommt es zu einer gleichmäßigen Verteilung in der Gelenkflüssigkeit. Die Stoffe, gebunden an winzige Partikel, werden von den oberflächlichen Zellen der kranken Gelenksschleimhaut aufgenommen, so dass sich die erwünschte Wirkung dieser radioaktiven Substanzen an der Oberfläche der kranken Gelenkschleimhaut abspielt. Im Laufe der Zeit kommt es dann zu einer allmählichen narbigen Veränderung der Schleimhautoberfläche mit Abnahme der Schleimhautschwellung. Dabei werden feinste Kanälchen verschlossen, aus denen Ergussflüssigkeit ins Gelenk drang, und auch die feinsten Nervenendigungen ausgeschaltet, so dass der Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert wird. Die Wirkung tritt allmählich ein, manchmal schon nach wenigen Tagen, in manchen Fällen auch erst nach zwei bis drei Monaten.

Jede Wirkung kann prinzipiell mit Nebenwirkungen verbunden sein. In wenigen Prozent der Fälle kann es in den ersten Tagen zu einer sog. Strahlensynovialitis kommen, die sich in einem Reizerguss äußern kann. Dann ist z.B. das Kniegelenk etwas geschwollen. Mit einer Eismanschette ist diese vorübergehende Erscheinung immer zu lindern. Nebenwirkungen, wie sie sowieso selten nach Gelenkspunktionen vorkommen können, sind im Zusammenhang mit einer Radiosynoviorthese geradezu eine Rarität.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung?

Die Strahlenbelastung beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die kranke Gelenkschleimhaut, die ja erklärtermaßen Zielobjekt ist. Aus einer schmerzhaften und entzündlich verdickten Schleimhaut soll eine unempfindliche Schleimhaut werden. Das angrenzende Gewebe wird nicht geschädigt. Wegen der sehr kurzen Reichweite der Strahlung und der Tatsache, dass die Substanzen in der Gelenkhöhle verbleiben und nicht über das Blut abtransportiert oder im Urin ausgeschieden werden, werden gelenkferne Körpergegenden überhaupt nicht betroffen. Das ist auch der Grund, weshalb diese Behandlung ambulant und im Anschluss daran ohne jegliche Strahlenschutzmaßnahme für den Patienten oder seine Umgebung durchgeführt werden kann.

Was sind die Vorteile der Radiosynoviorthese?

Abgesehen von der etwas zeitaufwändigen, aber notwendigen Voruntersuchung ist die eigentliche Therapie ein relativ kleiner Eingriff. Eine Rehabilitation wie nach einer Operation ist nicht notwendig. Die Therapie ist auch bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko möglich. Mehrere Gelenke können gleichzeitig oder in kürzeren Abständen behandelt werden. Bei nicht ausreichender Wirksamkeit kann die Therapie ohne weiteres wiederholt werden.